Microsoft Student Technology Conference Tag 1

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Als ich heute morgen losgezogen bin Richtung Langschaftspark wusste ich bis auf die Themen der Vorträge absolut nicht was mich erwarten würde. Das Wochenende war recht schlaflos verlaufen und entsprechend kaputt hing ich auf der Rolltreppe ins zweite Untergeschoss des Hauptbahnhofs zur 903.

Am Bahnsteig sprach mich ein nicht mehr ganz frischer Kerl im Gruschel mich T-Shirt an, wo es denn zum Landschaftspark ginge. Zusammen in der 903 stellte er sich auf meine Frage ob er Vortragender sei mit Rolf vor und nein, er sei Student. Weitere Konversation mit Rolf blieb mir erspart als ich an der Haltestelle Landschaftspark auf eine stattliche Gruppe mit bekannten Gesichtern aus Dortmund traf.

Die Registrierung ging ruckzuck, der erste Weg führte zum Catering. Meine Herrschaften! Allein für die Wraps, gefüllt mit eingelegten Tomaten, Zucchini und allerhand anderem leckeren Zeug, hatte sich der Weg gelohnt. Um 10:00 ging dann die Keynote los.

Keynote

Die Begrüßung durch Ingo, dessen Nachname mir momentan leider entfallen ist, wirkte bemüht locker, im Abgang aber doch eher uncool. Im Anschluss stellte Paramesh Vaidyanathan Popfly vor, einen nagelneuen Service von Microsoft, der mit Hilfe von Silverlight das blitzschnelle Erstellen von Mashups aus Webservices auch und vor allem für technisch unbedarfte User ermöglicht.

Obwohl die Präsentation mit erheblichen technischen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte, wurde das Potential dieser Technik deutlich. In einem FlowChart-ähnlichen Boxsystem klickt der User sich seine Anwendung ganz einfach zusammen, kann sie anderen zur Verfügung stellen oder sie in Popfly Pages einbauen.

Die Oberfläche von Popfly ist beeindruckend. Wenn Silverlight abhebt, und danach sieht es wirklich aus, kommen spannende Zeiten auf das Internet zu. Popfly verkörpert somit eine ganze Reihen von Microsofts neuen Zielen und Eigenschaften:

  • Nutzbarmachung neuer Technologien für Amateure
  • Offener
  • User Experience

Neue Technologien für Amateure

Damit seien jetzt mal alle Nicht-Programmierer gemeint. Zum einen also Endanwender die mit Technologien wie Popfly Web-Services nutzen können um eigene MashUps zu kreieren, zum anderen Hobby Entwickler die mit Visual Studio Express ins .NET Boot geholt werden oder Gamer denen mit XNA die Möglichkeit geboten wird, vergleichsweise einfach Spiele zu entwickeln.

Offenerer Umgang mit der Entwicklergemeinde

Das beste Beispiel hierfür ist Silverlight. Von Anfang an auch für Firefox und Mac verfügbar, vereint es nicht nur Javascript und .NET Sprachen, sondern auch Python und Ruby in der DLR (Dynamic Language Runtime) die in Zukunft auch andere Sprachen beherbergen kann. Die Möglichkeit, mit den abgespeckten aber dennoch brauchbaren Express-Versionen der Entwicklertools herumzuspielen dürfte eine Menge Leute zu .NET und C# ziehen die sich andernfalls vielleicht für Java entschieden hätten.

User Experience

Offensichtlichster Kern dieses neuen Aspekts sind die neuen Oberflächen von Vista und Office 2007. Über den Geschmack der Designer kann man sich durchaus streiten, nicht leugnen lässt sich jedoch, dass Microsoft sowohl mit diesen Maßnahmen ihre CI strafft als auch mit WPF und XAML darum bemüht ist, dass das Interface-Design, bei Windows-Entwicklern bisher generell eher vernachlässigt, ansprechender und einfacher zu gestalten.

Weitere Vorträge

Die weiteren Vorträge der Conference waren leider größtenteils enttäuschend.

In Kleines 1×1 der Spielentwicklung — wichtige Begriffe, Prozesse und Überblick plauderte Dirk Primbs über das geschäftliche Umfeld in dem Spielentwicklung stattfindet. Für mich enthielt der Vortrag keinerlei neue Information.

Design Patterns wurde von Wolfram Burgard, Professor an der Uni Freiburg, gehalten. Dass der gute Mann gleich zu Beginn seiner Präsentation darauf hinwies, von dem Thema eigentlich keine Ahnung zu haben, um daraufhin einen extrem allgemeinen und oberflächlichen Abriss des über 10 Jahre alten Klassikers der Gang of Four vorzutragen ließ mich den Software Development Saal nach 15 Minuten verlassen um mir AntMe! — Teil 1 anzuhören. Bei AntMe! handelt es sich um einen Ameisensimulator der Spieler die KI von Ameisenvölkern in C# beeinflussen lässt. Ganz nett, etwas ähnliches haben wir in der zwölften Klasse in Pascal geschrieben. Für Informatiker im achten Semester eher uninteressant.

Nach der Mittagspause führte mein Weg mich zum Web Development im Nebengebäude, wo Lori Grosling etwas über Design & User Experience @ Microsoft erzählen wollte. Eine halbe Stunde gehaltloses Anklicken von Web-Demos wurde von einer Viertelstunde “That’s cool, isn’t it?” und oberflächliches Klagen über die Schwierigkeit der GUI-Programmierung eingerahmt.

WPF und Silverlight

Der nächste Vortrag ging nur ein wenig mehr in die Tiefe. Oliver Scheer stellte XAML vor, eine XML-basierte Sprache um GUIs für Silverlight oder WPF zu beschreiben. Oliver kannte sich mit der Technik offensichlich kaum besser aus als Lori, so stellte er uns WPF Features als XAML Features vor und beschrieb die Sprache als tollen Weg für Designer, ohne Programmierung GUIs zu gestalten. Das es sich bei XAML eigentlich bloß um ein leicht beschreibbares Austausch- und Beschreibungsformat für den gleichen Kram, den man auch mit .NET-Code erreichen kann, handelt war ihm entweder nicht bekannt oder es wurde uns verschwiegen. Dabei zuzusehen, wie er sich im Expression Studio Blend austobte ohne auf konkrete technologische Vorzüge von WPF einzugehen machte die Sache nicht besser.

Nach der Kaffeepause war Oliver nochmal dran, nun mit UX out-of-the-box: ASP.NET AJAX, WPF and Silverlight. Das gesamte Publikum war da um etwas über Silverlight zu erfahren, wurde aber zunächste eine halbe Stunde mit der komplett unspannenden Ajax Implementierung in ASP.NET gelangweilt. Die Silverlight Vorführung beschränkte sich dann wieder darauf, dass Oliver geistesabwesend im Expression Studio herumbastelte. Ganz toll.

Ziemlich gefrustet verließen am Ende alle den Raum, meine nächste Station war Engineering Excellence – some things a new Microsoft Developer learns von Frank Fischer. Die anfängliche Skepsis war schnell verflogen, Franks Vortrag war der erste der mich wirklich begeistert hat. Es ging um das Trainingsprogramm bei Microsoft, darum wie dort Software entwickelt wird, welche Werte hinter den Entwicklungsprozessen stehen und welcher Aufwand betrieben wird um Fehler zu vermeiden. Am interessantesten war dabei die Beschreibung des Nightly Build Prozesses und wie mit dort auftauchenden Fehlern umgegangen wird.

Das Team, dessen Teil die Tests stört oder gar keine korrekte Compilierung verhindert, muss diesen Fehler bis zum nächsten Tag behoben haben. Wer viermal in Folge den Nightly Build verpatzt kriegt ein Gummihuhn an die Tür genagelt, muss fortan in Schande leben und den anderen Teams für niedere Tätigkeiten zu Diensten sein.

Frank Vortrag enthielt genau die richtigen Stichworte um mich die ganze Zeit die Ohren spitzen zu lassen. Auch wenn es nach aussen manchmal anders aussieht, so scheint man bei Microsoft doch eine Menge Erfahrung damit zu haben, enorme Softwareprojekte einigermaßen erfolgreich über die Bühne zu bringen. Besonders gefiel mir der absolut vernünftige Ansatz, nicht dogmatisch an Vorgehensmodellen oder Prinzipien zu hängen, sondern stets das richtige Tool für den Job zu verwenden. Für kleine Anwendungen kommen aufgrund ihrer Vorteile bei diesen Größenordnungen durchaus Agile Methoden zum Einsatz, während man sich nicht der Illusion hingibt dass diese Vorgehensweise für alle Arten von Projekten angemessen ist.

Abendprogramm

Das Vortragsprogramm für den ersten Tag war damit zuende und die abendliche Unterhaltung ging los, angefangen mit einem opulenten Barbecue. Wer wollte konnte danach kickern, sich das Duell der beiden Fischertechnik Roboter-Teams ansehen, am AntMe! Programmierwettbewerb teilnehmen, bei PGR3 auf der Xbox ein paar Runden drehen oder mit ferngesteuerten Monstertrucks ein bißchen Staub aufwirbeln. Die Fischertechnik Roboter wurden beide von Teams der Universität Dortmund programmiert, die Zelte dafür waren heiß und stickig, also habe ich mich zu den Monstertrucks gesellt und mit ruhigem Finger als erster meiner Runde das Ziel passiert. Bei PGR habe ich gegen Kollegen Boris zwar gewonnen, für eine Platzierung in der Gesamtliste hat es dann aber doch nicht gereicht.

Gegen 22h hab ich mich auf nach Hause gemacht, wer noch dablieb konnte bei einer GPS-Rallye und den sehr empfehlenswerten Nachtlichtführungen durch den Landschaftspark teilnehmen. Wieder in meiner Wohnung habe ich mich sofort an diesen Beitrag hier gesetzt, war allerdings ziemlich erledigt, so hat sich seine Fertigstellung dann bis heute hingezogen.

Ich lag schon im Bett, da bimmelt mein Handy:

Hallo Jan. Du hast beim Autorennen das Abseilen vom Hochofen gewonnen. Bitte Dein Ticket bis morgen 11h00 an der Information abholen.

Yay.

Mehr dazu im Bericht von Tag 2.

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